Einfach Leben

Minimalismus und Wege zum Glück

Kaufe weniger, lebe besser! Praktizierter Minimalismus.

mit 4 Kommentaren

Wir fressen aus der Hand der Marketingbranche. Und wir können nicht genug bekommen. Es wird uns verkauft, dass unsere Lebensqualität mit zunehmenden Besitz, Geld oder Macht steigt. Dabei ist es im schlimmsten Fall genau das Gegenteil. Viele Stunden werden dafür verschwendet von etwas zu schwärmen, nach dem günstigsten Angebot zu recherchieren oder die “Reichen und Schönen” zu beneiden. Dabei könnten wir auch einfach anfangen zu leben.

 

Lampen, Vasen, Beistelltische, Regale, Vorhänge, Dekoartikel, Fernseher, Hifi-Anlagen, drei verschiedene Tellersets, 20 Paar Schuhe, 30 T-Shirts, größer, besser, teurer, mehr, mehr, mehr … nach und nach sammelt sich immer mehr Zeug in den Wohnungen. Dann wandert es in den Keller oder man sucht eine größere Wohnung / ein Haus um seine Sammlung an Zeug unterbringen zu können. Der große Siebeneinhalb-Tonner steht vor der Tür weil ein Sprinter nicht mehr reicht.

Wäre das Leben ohne all das Zeug nicht einfacher?

 

Hör auf zu kaufen und fange an zu leben!

Es ist nicht nur einfacher, es bringt ungeahnte Freiheit. Wenn man weniger besitzt bemerkt man, wie die Dinge die wir kaufen uns zurückhalten. Das Geld, dass man nicht mehr ausgibt und das was man durch den Verkauf des unnützen Zeugs bekommt, kann genutzt werden um viel wertvollere Erfahrungen zu sammeln als auf der Couch zu gammeln oder mit dem neuesten Gadget zu spielen.

Ich selbst habe dadurch die Zeit gefunden viele neue Dinge auszuprobieren, da ich mich nicht mehr mit meinem Zeug ablenke. Mein Zimmer ist weitaus gemütlicher geworden, da die vielen Sachen, die sich nach und nach ansammelten, nicht mehr drohen mir auf den Kopf zu fallen. Und vor allem sind meine Gedanken geordneter und kann mich besser auf die wichtigen Dinge des Lebens konzentrieren.

Andere, wie Karol Gajda, reisen durch die Welt, arbeiten ortsungebunden wie Everett Bogue oder ziehen bald mit Frau und sechs Kindern und je nur einem Gepäckstück von Guam nach San Francisco wie Leo Babauta.

Wovon sollte man sich also trennen? Im Prinzip von allem was einen davon abhält zu leben. Von allem was man nur noch hat, “weil man es ja vielleicht nochmal brauchen könnte”, aber doch nie genutzt wird. Von allem was eine Last ist.

 

Befreie dich von den unnützen Dingen

Egal wie weit du damit gehen wirst, hier ist eine der simpelsten Methoden dem Chaos und der Unordung, das um uns herum herrscht, Herr zu werden. Aber auch nur eine von vielen, die man benutzen kann:

1. Schaue dich nach nicht genutzten Dingen um

Was hast du seit einem Jahr nicht mehr benutzt, welche Kleidung nicht getragen, welche Bücher nicht gelesen, welche DVDs nicht geguckt? Wirst du es in den nächsten paar Monaten mit absoluter Sicherheit benutzen? Wenn nicht, packe es in eine Box oder einen Karton. Sei nicht zimperlich, sei knallhart!

2. Verkaufe, verschenke oder spende diese Dinge

Gute Plätze hierfür sind eBay, 2nd-Hand Läden oder (wie bei uns in der Stadt) soziale Projekte. Du kannst die Sachen auch im Internet bei Freecycle verschenken, wenn sich in deinem Bekanntenkreis niemand finden lässt.

3. Wiederhole den Vorgang

Verkürze dabei den Zeitraum (9 Monate, 6 Monate, 3 Monate, je nach Belieben).

Bemerkung bzgl. Erinnerungsstücken: Während du deine Sachen durchgehst, wirst du vermutlich auch auf Erinnerungsstücke stoßen, von denen du dich im ersten Moment nicht trennen wollen wirst. Versuche zu erkennen, dass die Erinnerung, die dahinter steckt wichtiger ist, als das Objekt selbst. Sind es Bilder, digitalisiere sie. Sind es andere Sachen, ziehe in Erwägung sie zu fotografieren und auf deinem Computer zu speichern. Schreibe über Sie oder gib sie in die Hände einer/s Verwandten, der/m sie ebensoviel bedeuten und die darauf Acht geben.

Der Anfang kann schwierig sein, da der Vorgang das Gegenteil von dem ist, was man von der Konsumgesellschaft gelernt hat. Normalerweise verkauft man etwas um danach etwas Neueres, Größeres, Besseres zu kaufen. Nachdem man sich aber daran gewöhnt hat, ist man auch eher versucht die Grenze weiter auszuloten. Irgendwann macht es richtig Spaß weniger zu haben.

 

Alleinige äußere Veränderung verliert ihren Effekt

Der befreiende Effekt des großen Ausmistens kann sich nach einiger Zeit verlieren. Wenn du dich ohne zu reflektieren von deinem Zeug trennst, wirst du irgendwann in einem kahlen Raum aufwachen und auch eine innere Leere sich einstellen. Daher ist eine Veränderung deiner Einstellung zu materiellem Gut ein notwendiger Prozess der parallel stattfinden muss.

Wie Mihaly Csikszentmihaly in seinem Buch “Flow” beschrieb: “[...] wenn jemand sein eigenes Bewußtsein nicht unter Kontrolle hat, kehren die gleichen Bedrohungen oder Wünsche bald zurück und lassen alte Ängste wieder aufleben.”

Für mich sind Dinge Werkzeuge um mich emotional und intellektuell weiterzuentwickeln. Es kommt nicht darauf an, mit welchen Mitteln ich diesen Artikel schreibe, sondern, dass ich ihn schreibe. Sei es auf dem modernsten, neuesten Laptop, auf einer 50 Jahre alten Schreibmaschine oder mit Federkiel in einem Notizbuch. Den einzigen denen es hilft, dass man den neuen Laptop kauft, sind die Computerhersteller. Nicht dem Konsumenten. An einem gewissen Punkt benötige ich natürlich einen Computer um den Artikel im Netz zu veröffentlichen. ;)

Also, wohnst du noch oder lebst du schon?

Geschrieben von Philipp Bauer

30. April 2010 um 21:41

Veröffentlicht in Minimalismus

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4 Antworten

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  1. Ja, du hast Recht: all die Dinge, die sich bei uns ansammeln sind wirklich eine Belastung.

    Es ist schlicht erstaunlich, dass wir uns bei vielen Dingen so leicht an der Nase herumführen lassen und meinen, nicht ohne sie leben zu können. Darum habe ich mich entschlossen, ebenfalls zu entrümpeln.

    Meinen Weg zur Einfachheit beschreibe ich unter freiwilligeinfach.wordpress.com.

    Thomas Reiner

    23. Juli 2010 um 12:20

    • Ich finds toll, dass du auch den Weg eingeschlagen hast. Viel Erfolg bei deiner Reise! :)

      Und vielen Dank, dass du meinen Artikel bei dir verlinkst!

      Philipp Bauer

      27. Juli 2010 um 17:29

  2. [...] Kaufe weniger, lebe besser! Praktizierter Minimalismus. [...]

  3. Me like – bin gerade nochmal auf deinen Artikel gestossen und habe ihn zum dritten Mal gelesen. Weiss(t)raum tut gut – auf der grünen Wiese gelingen die Kunststücke. Definitiv ist weniger mehr – und das Entrümpeln kostet je nach Fülle Anstrengung und Energie. Und das Verständnis um Los-Lassen. Danke nochmal und viel Glück beim Weg-lassen.

    quick note

    7. Juli 2011 um 17:34


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