Vom Jäger … und warum ich eher Sammler bin

Bild von Ralf Roletschek
In diesem Artikel nehme ich dazu Stellung, warum ich (so gut wie) aufgehört habe Fleisch zu essen. Ich denke, ich vertrete eine etwas andere Ansicht als die meisten Vegetarier und würde mich nur in gewissem Rahmen zu ihnen zählen. Dies wird also kein Artikel, der dir ein schlechtes Gewissen machen soll oder dich eines besseren belehren wird, warum Fleisch essen “böse” ist.
Vielmehr ist meine Ansicht ein In-Frage-Stellen des heutigen Konsumverhaltens von tierischen Produkten und beeinflusst von Respekt anderen Lebewesen gegenüber.
Der Jäger in mir
Im letzten Jahr bin ich mit einem Freund einige Male angeln gegangen. Falls du es noch nicht ausprobiert hast, es ist spannender als einige Leute annehmen. Was mich zutiefst beeindruckt hat ist die Verbindung die man zum Tier dabei herstellt. Man verbringt (mit Pech) einige Stunden, bis überhaupt etwas anbeißt. Dann kommt der Nervenkitzel, erfolgreich seine Beute an Land zu holen. Und wenn man Angeln nicht als Sport betreibt, kommt der Moment dem Fisch brutal den Schädel mit einem Totschläger bearbeitet. Danach muss man die Innereien entfernen und bereitet den vor wenigen Stunden noch zappelnden Fisch zu. Die Zeit die dafür benötigt wird und (wenn man nicht allzu sehr abgestumpft ist) die Empathie, die man empfindet wenn man einem anderen das Leben nimmt um sich zu ernähren, lassen einen das Mahl vor einem mit ganz anderen Augen sehen. Man teilt eine starke Verbindung.
Oder du kaufst dir schnell auf dem Heimweg einen McFish (oder wie das heißt) bei McDonalds.
… und der Sammler
Man kann das obige Beispiel einmal im Gedanken ausweiten. Wie wäre es, ein Schwein aufzuziehen, es zu füttern, den Stall auszumisten, etc. Es dann zu töten und zu schlachten um ein Kotelett auf dem Tisch zu haben? Ich schätze mich selbst so ein, dass ich am Ende, nach ein, zwei Jahren (wie lange wächst ein normales Schwein, außerhalb von Mastbetrieben?) es nicht mehr übers Herz bringen könnte.
Gut, dass es die Fleischauslage im Supermarkt gibt?
Ich esse gerne Fleisch. Aber nicht mehr unter diesen Bedingungen. Nicht zu dem Preis, von einer absolut industrialisierten Lebens-Verwertungsmaschine abhängig zu sein, die jedem Respekt gegenüber anderer Tiere entbehrt. Diese Maschine wird genährt von der immer größer werdenden Nachfrage nach schnellem, unkomplizierten Essen. Dabei verliert die Gesellschaft das Gespür für das, was sie isst.
Es ist nicht schwierig kein Fleisch zu essen. Der Großteil den man isst, besteht eh aus Pflanzen. Ich zumindest vermisse es nicht. Vielleicht probierst du es einfach einmal aus?
Ich möchte, wie gesagt, niemandem ein schlechtes Gewissen machen. Ich fordere nur dazu auf, einmal sich darüber klar zu werden, was man isst, in welchen Maßen man es ist und was eventuelle Folgen der eigene Konsum hat.
Ein paar Anregungen
Folgende (evtl. unvollständige) Liste an “Regeln” habe ich in meinen Alltag eingebracht ohne große Probleme zu haben. Besonders 1, 3 und 7 halte ich für besonders sinnvoll. Aber entscheide selbst:
- Essen selbst zubereiten (aka kein Junk-Food)
- Immer am Ess-/Küchentisch essen
- Nicht nebenbei essen (Fernseher aus, Buch zuschlagen, etc.), auf das Essen konzentrieren und den Geschmack genießen. Eine Ausnahme sind Gespräche am Tisch, die “Regel” sollte auf jeden Fall greifen wenn man alleine isst.
- Für sich selbst zu kochen lohnt sich!
- Fleisch ist eine Beilage! Zum Großteil Pflanzen essen.
- Nicht zu viel essen. Nimm dir Zeit, dein Körper braucht ein wenig um zu merken, dass er genug hat. Also nicht essen bis man kein Hunger mehr hat. Essen bis man grade so merkt, es ist genug, warten und evtl. noch einen kleinen Nachschlag nehmen.
- Hin und wieder die Regeln brechen.
- Aber dann nicht übertreiben.
Über Kommentare würde ich mich “tierisch” freuen. ;-)
Find ich ok, auch wenn ich schon der Meinung bin, dass dieser ganze Slow Food und Respekt vor dem haben was man isst, schon auch mit Fleisch praktizieren lässt. Nich jeden Tag eben. Was ist es den nun was dich von anderen Vegatariern unterscheidet? Ich dachte immer da hat jeder so seine eigenen paar Gründe…;)
*meine Banane weiteress* D:
happylying
13. April 2010 um 10:22
Hi happylying!
Es ist vielleicht nicht ganz klar geworden, aber ich würde nur die Tiere essen, die ich selbst gefangen habe. Das heißt, dass ich wenn überhaupt mal Fisch esse, weil es für mich nicht wirklich praktikabel ist in den Wald zu gehen und mir ein Wildschwein zu jagen.
Wie weit es mit dem Respekt vor abgepackten Fleisch geht, naja, es ist einfach sehr unpersönlich. Es ist eben dann nur noch ein Stück Fleisch. Ich habe selbst versucht es so zu praktizieren, aber wenn ich das vergleiche mit dem selbst gefangenen Fisch ist es schon ein ziemlich großer Unterschied.
Aber wie du schon sagst, jeder hat seine eigenen Gründe. Das oben genannte ist auch nicht der einzige Grund, ich esse auch wenig Fleisch aus gesundheitlichen Gründen. Aber das muss jeder immer mit sich selbst ausmachen. Ich wollte nur evtl. einen neuen Grund anführen, weil ich diesen bisher noch nicht gehört habe.
Danke für deinen Kommentar!
PS: *Kiwi schäl* :-)
Philipp Bauer
13. April 2010 um 13:30
Aber müsste man dann nicht auch Kartoffeln, Mais, Hartweizen und Gemüse kulturgerecht selber anbauen, statt dies alles den monokulturell geprägten Landwirtschaftbetrieben zu überlassen?
Ich zumindest erkenne bei Leuten die einen Garten haben den gleichen Effekt wenn sie ihre Gemüse pflegen und dann essen, denselben Effeckt wie von dir beim Fischen beschrieben. ;)
happylying
13. April 2010 um 13:57
Da hast du vollkommen recht. Ich habe mich auch noch vor einigen Tagen darüber informiert, wie man ohne einen großen Garten Gemüse etc. anpflanzen kann. Es gibt interessante Möglichkeiten, die einem auch nur mit einem Balkon Anbauchanchen geben. Das möchte ich dieses Jahr mal gerne ausprobieren.
Leider wird man ohne etwas mehr Boden nicht komplett autonom. Es gibt noch die Möglichkeit einen gemeinschaftlich kultivierten Acker zu gründen oder sich daran zu beteiligen, wo polykulturell saisonales Gemüse etc. angebaut wird. Ich habe mich noch nicht umgesehen ob es soetwas in meiner Nähe gibt, aber an so einem Projekt würde ich mich gerne mal beteiligen.
Wenn solche Gemeinschaftsprojekte keine Alternative darstellen, ist der Einkauf auf dem Markt, so wie wir es im Moment zum Großteil handhaben, der beste Weg. Dort kann man auch noch mit dem Erzeuger direkt in Kontakt treten und sich informieren. Die großen Supermarktketten haben da natürlich den großen Nachteil, dass sie nicht sehr transparent sind über die Herkunft der Waren. Bei genauerem Hinsehen hab ich jedoch schon das ein oder andere Mal erstaunt aus der Wäsche geschaut.
Ich stufe die monokulturellen LWB und auch die großen “Agrargebiete” wie in Almeria und die Bedingungen die dort herrschen als sehr problematisch ein. Erstere schädigen den Boden und letztere den Arbeitern. Das ist genau wie im Artikel beschrieben eine Folge des immer größer werdenden Bedarfs.
Hier könnte man aber auch eine deutliche Verbesserung herbeiführen, wenn wir von der Wegwerfpraxis Abstand nehmen könnten. Projekte wie die Tafeln helfen hier schon ein kleines Stück, aber ein schönes Beispiel aus dem Dokufilm “We feed the world” zeigt wie groß das Ausmaß in einigen Ländern ist. Und zwar wurde zum Zeitpunkt des Drehs, in Wien täglich so viel Brot weggeschmissen, wie in der zweitgrößten Stadt Österreichs, Graz, überhaupt gebraucht wird.
In Zukunft möchte ich den Hauptteil meiner Nahrung gerne selbst produzieren können oder aus “guten” Quellen beziehen. Aber das ist wie alles Andere im Leben immer ein Prozess, der nicht von heute auf morgen stattfinden kann. (Leider!) Ich stehe auch im Moment noch am Anfang meiner eigenen Revolution, bin aber gespannt wohin mich das alles führt. ;-)
Philipp Bauer
13. April 2010 um 17:44